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Die Geschichte des Truetype Formats

In den 80er Jahren war es allen grossen Betriebssystem-Herstellern bewusst, dass eine skalierbare Schriftentechnologie ein wichtiger Bestandteil der zukünftigen Betriebssysteme werden wird. Den bisher benutzte man ausschließlich Bitmap Schriften. Diese waren in allen Zwischengrössen auf dem Bildschirm gepixelt. Wer keinen PostScript fähigen Drucker besass, musste auch beim Ausdruck mit Pixeln leben.

Adobe probierte Apple und Microsoft zu überzeugen, dass sie PostScript dazu benutzen sollten, die Schriften am Bildschirm darzustellen. Diese Lösung (heute unter dem Namen: Display PostScript bekannt), hatte die richtigen Funktionen, um einwandfreie Resultate zu erreichen. Beide Firmen waren aber nicht bereit, für ein solch wichtiges Elemente in ihren Betriebssystemen, bei einer dritten Firma Lizenzen zu erwerben. Nur NeXT lizenzierte später das Display PostScript für ihr Betriebssystem NeXT Step.

Apple und Microsoft unterschrieben einen Entwicklungsvertrag, und entwickelten zusammen eine Lösung, die beiden Firmen zugute kommen sollte. Microsoft wollte eine PostScript ähnliche Grafikkern für ihr System (TrueImage), während Apple ein Schriftsystem entwickeln wollte, welches besser war als das von Adobe.

Aus dieser Zusammenarbeit entstand erst 1989 TrueType. Aus TrueImage wurde nichts. Es war fehlerhaft und instabil. Apple entwickelte aus diesen Erfahrungen heraus ein bisschen später ein System das wunderbar mit Grafik und Typografie zusammenarbeitete: QuickDraw GX. Aber in Entwicklerkreisen wurde diese Technologie nicht aufgenommen und die hervorragenden Funktionen von QuickDraw GX wurden nicht genutzt.

Adobe nahm die Entwicklung von TrueType sehr ernst. Adobe reagierte auf zwei Arten als sie merkten, dass man ihr Schriftformat nicht mehr benötigen wird. Mitte 1989 kündigte Adobe ein Programm an, das zu diesem Zeitpunkt noch nicht entwickelt war. Den "Adobe Type Manager". Ein Jahr später konnte man ATM kaufen und Adobe Type 1 Schriften auf dem Macintosh darstellen ohne Hilfe von Apple. ATM wurde sehr billig verkauft und war mit vielen Adobe Softwarepaketen gebündelt.

Der zweite Angriff erfolgte auf einer aus heutiger Sicht sehr modernen Art. Adobe gab die Spezifikationen für Type 1 Schriften frei. Früher musste man Adobe bezahlen, wenn man Type 1 Schriften herstellen wollte. Denn die Schriftdaten waren verschlüsselt und es war nicht möglich Kontrollpunkte zu erhalten, ausser tief in der PostScript Engine von Adobe.

Allerdings wurde Adobe dazu genötigt seine Spezifikationen freizugeben. Erstens waren die TrueType Spezifikationen von Anfang an öffentlich. Zweitens hatte Bitstream das Type 1 Format geknackt und streute hunderte von Type 1 Schriften auf den Markt. Sowie einen Clone von ATM, namens "FaceLift".

Im August 1989 war die Entwicklung des Formates TrueType fast fertiggestellt. Apple und Microsoft kündigten ihre strategische Allianz gegen Adobe an. In dieser Allianz wird Apple das Schriftsystem entwickeln und Microsoft die "Printing engine". Apple setzte das Format TrueType im März 1991 das erste mal ein. Es war ein 80K grosse Erweiterung für das MacOS 6.0. Microsoft setzte das TrueType Format ab Windows 3.1 ein. Eine der ersten Schriften war die "Arial" und die "Courier"

Aber wie bei allen Entwicklungen gab es auch hier nicht nur strategische Probleme, sondern auch technische Hürden zu überwinden. Windows 3.1 lief per Definition auch auf 16-bit Prozessoren. Die Windows Version des TrueType Systems musste also, im Gegensatz zur Grundentwicklung von 32-bit, auf 16-bit neu implementiert werden. So entstanden Probleme mit der Geschwindigkeit der Darstellung sowie Speicherzuweisungen. Mit komplizierten Schriften wurde meistens die Darstellung ungenau. Komplizierte Zeichen veranlassen, dass die ganze Schrift nicht dargestellt wurde, oder sie wurden dargestellt aber nicht gedruckt.

Auch für die Schriftentwickler wurde die Sache nicht einfacher. Komplizierte Beschreibungen der Kurven mussten vereinfacht werden um nicht an der 16-bit Hürde zu scheitern. Dies führte dazu, dass Schriften auf dem MacOS funktionierten, auf Windows aber nicht. Leider führte das wiederum dazu, dass viele Schriftenhersteller ihre Schriften nicht im TrueType Format veröffentlichten. So entstand ein Markt für TrueType Schriften welche aber keiner bedienen wollte. Als Folge kamen billige Kopien von Schriften auf den Markt, welche schnell gescannt oder konvertiert worden waren. Viele dieser Schriften waren fehlerhaft, von schlechter Qualität, schlechten Outlines und unbrauchbaren Hint's. (Hints sind Algorithmen welche helfen die Schrift bei niedriger Auflösung (72-600 dpi) schöner darzustellen.) Dies führte dann dazu, das TrueType einen schlechten Ruf bei professionellen Anwendern bekam.

Im August 1995, mit dem Verkauf von Windows 95, hatte Microsoft nun auch eine 32-bit TrueType Engine auf dem Markt. Mit vielen gratis erhältlichen Schriften auf der Microsoft Webseite, probiert Microsoft das TrueType Format zu rehabilitieren.

Im Oktober 1997 veröffentliche Adobe eine Serie TrueType Schriften aus ihrer originalen Adobe Kollektion. Die Hints wurden manuell überarbeitet und bieten eine vorzügliche Qualität. Auch gelangte Adobe zur Einsicht, dass für das Gestalten von Webseiten die Type 1 Technologie nicht geeignet ist. Es kam zu einer Zusammenarbeit mit Microsoft, die sich "OpenType" nennt. Im Grundsatz geht es darum Schriften in die Webseite einzubetten und im Browser darzustellen. Die 12 Schriften welche Adobe dazu konvertierte werden gratis mit dem Internet Explorer mitgeliefert. Es sind dies: Minion, Myriad, Caflisch Script, Mezz, Penumbra, Giddyup und Variationen von Giddyup.

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